1551
Konzession für Mahl- und Ölmühle
Herzogin Elisabeth erlaubte Johan Clement den Bau einer Mühle in der kleinen Herrenwiese. Die Jahreszahl datiert die Konzession, nicht das heutige Gebäude.
Ton und Wasser ermöglichten zwei prägende Gewerbe. Töpferhandwerk und Mühlentradition hinterließen Spuren in Gebäuden, Denkmal und Wappen.
Ton aus dem Kaufunger Wald und Brennholz für die Öfen bildeten die Grundlage des Töpferhandwerks. Die Kurzchronik nennt für 1686 zwei Nienhäger Töpfer in Waldregistern. Die Register belegen das Gewerbe, liefern aber kein Gründungsjahr der Töpferei.
Für 1759 nennt die ausführliche Auswertung sechzehn selbständige Töpfer. Gesellen und Lehrlinge sind darin nicht mitgezählt. Im 19. Jahrhundert nahm ihre Zahl ab. Bei seinem Besuch 1899 traf Dr. Focke laut Chronik nur noch Töpfermeister Stamm an; dieser gab sein Gewerbe um 1901 auf.
Das offizielle Gemeindeporträt beschreibt Nienhäger Keramik mit Vogel- und Blumenmotiven. Gimter Flößer brachten die Waren demnach von Münden nach Bremen; von dort gelangten sie weiter nach Ostfriesland und Holland. Der Rückblick nennt Porzellan und Emaille als spätere Konkurrenz. So reicht die Handwerksgeschichte des Dorfes über die Werkstätten hinaus zu Handel und Transport.
1551 erlaubte Herzogin Elisabeth Johan Clement, in der kleinen Herrenwiese eine Mühle zum Mahlen von Getreide und zum Schlagen von Öl zu bauen. Die Chronik überliefert den Konzessionstext nach einer späteren beglaubigten Abschrift.
Die Erlaubnis umfasste Mahl- und Ölgang, untersagte aber ihren gleichzeitigen Einsatz. Sie beschreibt die rechtlichen und wirtschaftlichen Bedingungen eines damaligen Betriebs. 1551 datiert diese Konzession, nicht das heute mit der Mühle verbundene spätere Gebäude.
Das Mühlengebäude trägt nach der Chronik die Jahreszahl 1736 über dem Eingang. Warum damals neu gebaut wurde, bleibt unbekannt. 1883 erwarb die Familie Kaufmann die Mühle.
1924 ersetzten Walzenmahlstühle den alten Steinmahlgang; auch eine Wasserturbine kam zum Einsatz. Der Ölgang wurde in den 1920er Jahren entfernt. Diese Veränderungen zeigen, dass die Mühle ihre Technik über die Jahrhunderte anpasste.
1993 wurden ein neues hölzernes Mühlrad und ein Gerinne hergestellt. Gemeinde, Landkreis, Bezirksregierung und private Spenden unterstützten die Arbeiten. Die Buchstellen stimmen im Jahr überein, nennen für die Einweihung aber unterschiedliche genauere Angaben. Deshalb bleibt die Erneuerung hier bei der sicheren Zeitmarke 1993.
Zum Töpferhandwerk gehört auch das Denkmal unter der Linde, das am 3. Oktober 1994 aufgestellt wurde. Es erinnert an einen Erwerbszweig, dessen Ende im Dorf schon rund ein Jahrhundert zurücklag.
Die Kurzchronik nennt 1967 als Jahr, in dem Nienhagen ein Ortswappen erhielt. Das Töpfermotiv verbindet dieses Symbol mit der Gewerbegeschichte. Das Buch erläutert den Doppelhenkeltopf auch im Zusammenhang mit dem Töpferdenkmal.
Das Ende des letzten selbständigen Töpfergewerbes um 1901 und das spätere Ende des Bergbaus am Steinberg sind verschiedene Entwicklungen. Das Wappen erinnert an das Dorfhandwerk, während die Steinbergindustrie länger Rohstoffe gewann und verarbeitete.
Das Einwohnerbuch von 1926 zeigt ein Dorf mit unterschiedlichen Erwerbszweigen. Neben Landwirten nennt die Chronik Bergleute, Ziegeleiarbeiter, Waldarbeiter und verschiedene Handwerker. Die Steinbergindustrie hatte Arbeitsmöglichkeiten eröffnet, die über das ältere Dorfhandwerk hinausgingen.
In den 1930er Jahren wurden viele Schulabgänger in Kasseler Betrieben in Metallberufen ausgebildet. Die Chronik ordnet diese Entwicklung der nationalsozialistischen Aufrüstung und den Kasseler Rüstungsbetrieben zu. Der berufliche Wandel steht damit auch im Zusammenhang mit der Vorbereitung des Krieges.
Nach 1945 rückten beim Wiederaufbau Kassels Bauhandwerke und Verkehrsberufe stärker in den Vordergrund: etwa Maurer, Dachdecker, Elektriker sowie Kraft- und Omnibusfahrer. Die Chronik berichtet außerdem, dass nun mehr Mädchen eine Ausbildung im Handel und im kaufmännischen Bereich begannen. Diese Darstellung erklärt den Wandel damaliger Erwerbswege; sie ist keine heutige Beschäftigtenstatistik.
Eine ergänzende Übersicht bietet die Wikipedia-Liste der Baudenkmale in Staufenberg. Der Abschnitt Nienhagen führt örtliche Gebäude und Anlagen auf und verlinkt die jeweiligen Einträge im niedersächsischen Denkmalatlas.
Die einzelnen Einträge aus dem Zeitstrahl mit ihren Quellen.
1551
Herzogin Elisabeth erlaubte Johan Clement den Bau einer Mühle in der kleinen Herrenwiese. Die Jahreszahl datiert die Konzession, nicht das heutige Gebäude.
ab 1686
Die Register dokumentieren das Handwerk ab 1686. Daraus ergibt sich kein Gründungsjahr der Töpferei. Für 1686 nennt die Kurzchronik zwei Töpfer in Nienhagen.
1736
Die Chronik nennt die Jahreszahl über dem Eingang. Der Anlass für den Neubau ist nicht bekannt.
1759
Die Zahl stammt aus den ausgewerteten Forstregistern. Gesellen und Lehrlinge sind darin nicht enthalten.
um 1901
Töpfermeister Stamm gab sein Gewerbe auf. Die ausführliche Darstellung nennt ausdrücklich eine ungefähre Jahresangabe.
1993
Ein neues hölzernes Mühlrad und ein Gerinne bewahrten ein Stück örtlicher Handwerksgeschichte.
3. Oktober 1994
Das Denkmal erinnert an die Töpfereien des Dorfes und das Topfmotiv des Wappens.