1619
Tongruben auf einer Karte
Die Chronik nennt eine Kaufunger-Wald-Karte als frühen kartografischen Beleg für Tongruben am Kleinen Steinberg.
Bergwerk, Ziegelei und Seilbahn prägten den Kleinen Steinberg. Die Chronik erzählt auch von Familien, Schulwegen, frühem Werkstrom und Sonntagsausflügen.
Eine Kaufunger-Wald-Karte von 1619 zeigt nach der Chronik Tongruben am Kleinen Steinberg. Die intensivere wirtschaftliche Nutzung setzt das Buch 1736 an, als Carl Friedrich von Hanstein ein Mutungsrecht erwarb und mit einer Alaunsiederei begann.
1800 wurde die Braunkohlengrube nach einer Untersuchung der Lagerstätte auf herrschaftliche Kosten wieder eröffnet. Das Detailkapitel spricht ausdrücklich von einer Wiedereröffnung. Dieses Jahr ist deshalb kein Beleg für den allerersten Beginn des Bergbaus am Steinberg.
Die Kurzchronik datiert den Bau des Berghauses auf 1840. Die ausführlichen Kapitel nennen dagegen 1849 und berichten von einer Fertigstellungsmeldung am 24. August dieses Jahres. Das Gebäude verband eine Wohnung für den Kohlenmesser mit separat zugänglichen Räumen für Forst und Jagd. Die abweichenden Jahresangaben bleiben als solche kenntlich.
1850 wurde der Steinberg politisch dem Gemeindeverband Nienhagen zugeordnet. Das Detailkapitel unterscheidet diese Veränderung von den bereits vorhandenen schulischen und kirchlichen Verbindungen zum Dorf.
Nach dem Verkauf des staatlichen Bergwerks 1868 wurden Ton, Sand und Kohle vor Ort unter anderem zu Dachziegeln, Mauersteinen und Töpferwaren verarbeitet. 1884 kam eine Dampfmaschine hinzu, die eine mechanisierte Ziegelformung ermöglichte.
In den 1890er Jahren verband eine rund sechs Kilometer lange Materialseilbahn das Werk mit dem Güterbahnhof in Münden. Für ihre Datierung unterscheiden sich die Buchstellen: Die Kurzchroniken nennen 1893, das Detailkapitel beschreibt die Fertigstellung Anfang 1894. Eine genaue Betriebsaufnahme lässt sich daraus nicht einheitlich festlegen.
Zu Beginn der 1930er Jahre gerieten die Steinbergbetriebe in eine schwere Krise. Die Kurzchronik nennt einen Konkurs 1930. Das Betriebskapitel unterscheidet die Einstellung der Ziegeleiproduktion im Oktober 1930 vom Ende des Grubenbetriebs Anfang 1931; andere Rückblicke nennen wiederum abweichende Zeitpunkte.
Konkurs, einzelne Betriebsschließungen und die Folgen für die Beschäftigten sind deshalb auseinanderzuhalten. Eine pauschale Zahl für die örtliche Arbeitslosigkeit ist aus den widersprüchlichen Darstellungen nicht gesichert. 1946 folgte unter dem Namen „Braunkohlengrube Dieter am Steinberg“ ein neuer Bergwerksbetrieb.
Ab 1953 wurde Farberde gewonnen, die im Kasseler Werk von Zschimmer & Schwarz zur Herstellung von „Kasseler Braun“ diente. Zuletzt prägten Braunkohle und Farberde die bergbauliche Nutzung.
Die Grube wurde zum 31. Dezember 1961 stillgelegt. Nach Rekultivierungsarbeiten endete 1962 die Bergaufsicht. Damit endet der im Buch dargestellte Bergbaubetrieb; daraus folgt keine Aussage über den heutigen Zustand oder die Zugänglichkeit des gesamten Geländes.
Ein Gebäude der Steinbergindustrie bekam schon während der letzten Bergbaujahre eine neue Aufgabe: Das ehemalige Direktorenhaus wurde 1956 zum Jugendwaldheim. Nach Darstellung der Niedersächsischen Landesforsten trägt die Einrichtung seit 2010 den Namen Waldpädagogikzentrum. Schulklassen können hier den Wald als Lebensraum und Arbeitsort kennenlernen.
Zum Umfeld gehört auch ein forstliches Arboretum mit Bäumen aus verschiedenen Teilen der Welt. Die Landesforsten verbinden damit die heutige Waldpädagogik mit der früheren forstlichen Ausbildung in Hann. Münden.
Der Steinberg war nicht nur ein Arbeitsplatz. Zum Bergwerk gehörten auch Wohnungen: Ein 1800 begonnenes Wohnhaus wurde mehrfach erweitert. Die Chronik berichtet, dass seine Bewohner bei schlechtem Wetter zum Backen nach Nienhagen gehen mussten, weil der eigene Backofen ungeschützt war.
Auch Schule und Kirche verbanden die Steinbergfamilien mit dem Dorf. Ihre Kinder gingen bereits vor dem politischen Anschluss von 1850 in Nienhagen zur Schule; Trauungen und Beerdigungen fanden ebenfalls dort statt.
Seit 1904 versorgte eine Dampfmaschine die Steinberggebäude mit Strom, lange vor dem Nienhäger Netzanschluss von 1920. Um 22 Uhr kündigte ein Signal an, dass der Generator abgeschaltet würde. Kurz darauf gingen die Lichter in den Häusern aus.
Wasser zu beschaffen konnte mühsam sein. Fritz Bröker erinnerte sich, dass in trockenen Sommern die Brunnen versiegten. Dann wurde Wasser mit einem Fuhrwerk vom Landgrafenbrunnen oberhalb des Hühnerfeldes geholt.
Nach der Privatisierung des Bergwerks 1868 wurde das Berghaus während der Woche als Kantine genutzt. An den Wochenenden kehrten zunehmend Wanderer ein. Ein Aussichtsturm auf dem Kleinen Steinberg machte den Ort zusätzlich attraktiv.
Fritz Bröker erinnerte sich an Familienausflüge auf den Steinberg: Gäste brachten ihren Kaffee mit und konnten ihn dort selbst zubereiten. Der Wirt stellte gegen ein kleines Entgelt Kannen und Tassen bereit. Seine Erinnerungen erzählen damit auch von Freizeit und Geselligkeit am früheren Industriestandort.
Die Kasseler Naturfreunde kauften 1922 Wiesen am Südhang des Steinbergs und bauten ihr eigenes Vereinsheim. Viele Mitglieder kamen am Wochenende zu Fuß aus Kassel und bewegten die Ziegel mit einem von Menschen gezogenen und geschobenen Wagen zur Baustelle. Wenn die Kraft nicht reichte, half ein Pferdegespann der Ziegelei.
Am 19. August 1923 wurde das Naturfreundehaus eingeweiht. Steine und Sand aus den Steinbergbetrieben sowie das dort vorbereitete Bauholz verbanden die Geschichte des neuen Hauses unmittelbar mit dem Arbeitsort nebenan.
Die einzelnen Einträge aus dem Zeitstrahl mit ihren Quellen.
1619
Die Chronik nennt eine Kaufunger-Wald-Karte als frühen kartografischen Beleg für Tongruben am Kleinen Steinberg.
1800
Das Kohlenbergwerk am Kleinen Steinberg wird auf staatliche Kosten wieder eröffnet. Die Wiederaufnahme des Betriebs erfolgt 1800.
1840 / 1849 · abweichende Angaben
Die Kurzchronik nennt 1840 für den Bau des Berghauses. Die ausführlichen Kapitel nennen dagegen 1849 und eine Fertigstellungsmeldung vom 24. August. Das Haus verband eine Wohnung für den Kohlenmesser mit Räumen für Forst und Jagd.
1850
Das Bergwerk am Steinberg wird politisch dem Gemeindeverband Nienhagen zugeordnet. Eine schulische und kirchliche Verbindung besteht bereits zuvor.
1893/1894
Eine Materialseilbahn verbindet Bergwerk und Ziegelei am Steinberg mit dem Güterbahnhof Münden. Die Kurzchronik nennt 1893; das ausführliche Steinbergkapitel datiert den Bauabschluss auf Anfang 1894.
19. August 1923
Das in Eigenarbeit errichtete Haus wurde eröffnet. Ein Erweiterungsbau folgte 1931.
1930/1931
Die Kurzchronik nennt für 1930 den Konkurs der Gewerkschaft Steinberg. Die Ziegelei stellt im Oktober 1930 ihre Produktion ein; der Grubenbetrieb folgt im Januar 1931.
30. Mai 1956
Das frühere Direktorenhaus am Steinberg wurde für Jugendgruppen und praktische Waldarbeit genutzt.
31. Dezember 1961
Die Grube wurde stillgelegt. Zuletzt waren Braunkohle und Farberde gewonnen worden.
2010
Der Betreiber datiert den Wandel des Hauses Steinberg zum Waldpädagogikzentrum auf 2010. Die Waldpädagogik knüpft an die Nutzung als Jugendwaldheim seit 1956 an.