1938
Milchlieferung an Molkereien
Seit 1938 wurde Nienhäger Milch an Molkereien geliefert. Die neue Milchgeschichte erklärt Sammelstellen, Kannen und die späteren Abholwege.
Arbeitskühe, Milchkannen und einfache Geräte erzählen vom früheren Leben auf den Nienhäger Höfen. Die Milchlieferung veränderte sich von örtlichen Sammelstellen bis zur Abholung mit Tankfahrzeugen. Die Gerätebeispiele stammen aus historischen Bildern der Chronik von 2001.
Viele kleinere Nienhäger Betriebe hielten Arbeitskühe. Die Tiere halfen bei der Bearbeitung der Felder und lieferten zugleich Milch. Schmand und Butter gehörten zur Versorgung; die nach dem Zentrifugieren verbleibende Magermilch wurde auch an Schweine verfüttert.
Ab 1935 wurden in Nienhagen Milchleistungsprüfungen durchgeführt. Nach dem Krieg entstanden Milchkontrollvereine, die laut Chronik ihre Tätigkeit am 1. Januar 1949 aufnahmen. Die Kontrollen gehörten zur Entwicklung der Milchviehhaltung.
Erich Haldorn beschreibt, wie Tagelöhner auf größeren Höfen halfen und dafür ihre eigenen kleinen Äcker mit Pferden bearbeiten ließen. Arbeitsleistungen und Fuhrdienste wurden in Geld verrechnet; am Jahresende konnte eine Restschuld bleiben. Die Preise kennt er aus Ferdinand Krafts Erzählung. Es ist eine überlieferte Alltagsschilderung, keine vollständige Lohnstatistik.
Erich Haldorn bezeichnet die gegenseitige Hilfe von Bekannten, Verwandten und Nachbarn bei der Ernte als „Widderhilfe“. Bei der Kartoffelernte halfen auch Kinder mit und lasen liegen gebliebene Kartoffeln auf. Seine Erinnerungen zeigen, wie eng landwirtschaftliche Arbeit und nachbarschaftliche Beziehungen miteinander verbunden waren.
Erich Haldorn erinnert sich an die Roggenernte auf „Götz Acker“: Sein Vater mähte mit der Sense, während der Junge mit einer Bohnenstange die Halme zusammenhielt. Trinkwasser holte er am Thieleborn.
Aus Halmen wurden Seile gedreht, mit denen die Mutter die Garben band. Diese trockneten mehrere Tage. Bei längerem Regen stellte man die Garbenhaufen um und lockerte sie auf, damit Wind und Sonne sie trocknen konnten. Der Bericht zeigt die Handgriffe vor dem Dreschen.
Bei der Kartoffelernte unterschied Haldorns Familie große, kleine und mittelgroße Saatkartoffeln. Kartoffelkraut kennzeichnete die Säcke mit dem Saatgut. Kleine Kartoffeln dienten zunächst als Schweinefutter. Für das Lenken der Arbeitskühe nennt Haldorn die Zurufe „harin“ für links und „hotteweg“ für rechts.
Hinter dem Heuwagen wurde ein „Kruttuch“ befestigt. Darin sammelte man unterwegs heruntergefallenes Heu. Kinder harkten nach und traten das Heu auf dem Boden fest. Haldorn beschreibt damit seinen eigenen Anteil an der Arbeit, keine überall gleiche Arbeitsweise.
Nach Haldorns Erinnerung sortierte man große und kleine Kartoffeln getrennt. Mittelgroße wurden für die Pflanzung im nächsten Jahr aufgehoben. Ein unter den Verschluss gebundenes Stück Kartoffelkraut konnte den Sack kennzeichnen. So wusste man zuhause, welche Kartoffeln in welches Kellerlager gehörten. Auch die mitgebrachten Körbe hatten Erkennungszeichen aus Bindfäden.
Seit 1938 wurde Nienhäger Milch an Molkereien geliefert. Zunächst sammelte man die Kannen in einem alten Backhaus; von dort holte eine Kasseler Molkerei sie ab. 1939 entstand eine örtliche Annahmestelle in einem umgebauten Ausspannstall einer Gastwirtschaft. Dieser Stall hatte zuvor den Pferden einkehrender Gäste gedient.
Die Milch kam in Eimern oder Kannen an, auf Handwagen und Schiebkarren oder mit Hilfe eines Tragholzes. In der Annahmestelle wurde die Menge gemessen und die Milch in einen höher gelegenen Kühlbehälter geschüttet. Der im Dorf so genannte Milchkeller war zugleich ein Treffpunkt: Beim Abliefern tauschten die Menschen Neuigkeiten aus.
Nach der Schließung der Nienhäger Sammelstelle 1949 mussten die Kannen zu Milchböcken gebracht werden. Solche Abstellplätze gab es an mehreren Stellen im Dorf. Die angelieferte Menge wurde auf einer Milchkarte vermerkt und von der Sammelstelle oder Molkerei bestätigt.
Mit der Milchlieferung waren auch Bestellungen verbunden. Wer Butter, Sahne oder Käse anforderte, legte einen Zettel bei; die Waren kamen in der zurückgebrachten Kanne mit. Die leeren Kannen wurden nachmittags wieder abgeholt. So verband die Abfuhr der Milch den Verkauf eines Hofprodukts mit dem Einkauf anderer Molkereiwaren.
Ab 1966 wurde Nienhäger Milch zur Sammelstelle in Escherode gebracht. Diese schloss am 31. März 1978; anschließend wurde die Milch für einige Monate direkt nach Kassel gefahren. Die Chronik beschreibt danach Tankfahrzeuge, die an den Milchböcken die Milch aus den bereitgestellten Kannen absaugten. Auch die Kontrollen fanden nun an der Straße statt.
Eine Tabelle der Chronik stellt die Milchlieferanten von 1948 und 2000 gegenüber. Für Nienhagen nennt sie 36 im ersten und einen im zweiten Jahr. Das ist eine historische Lieferantenstatistik, keine vollständige Zählung aller Höfe und keine Aussage über die Landwirtschaft heute.
Für den Stand um 2000 zeigt das Buch die Abholung mit einem Milchtankzug direkt vom Hof. Die Gegenüberstellung mit Kannen und Sammelstellen macht den Wandel der Milchabgabe anschaulich.
Auf einer historischen Aufnahme im Landwirtschaftskapitel ist eine Kötze zu sehen. Die Bildunterschrift bezeichnet sie als wichtiges Transportmittel für unterschiedliche Dinge. Dieses einfache Gerät erinnert daran, dass zum Arbeiten auf den Höfen auch das Tragen und Befördern vieler kleiner Lasten gehörte.
Diese Begriffe begegnen in Haldorns Erinnerungen an die Nienhäger Feldarbeit:
Garbe: Ein zusammengebundenes Bündel geschnittener Getreidehalme.
Götze: So nennt er das auf dem Rücken getragene Behältnis für Verpflegung und Malzkaffee auf dem Feld.
Handkuh: Die Kuh im Gespann, die er am Kopf führen musste.
Heubaum: Er lag oben auf dem geladenen Heu und wurde mit Ketten gespannt, damit die Ladung zusammenhielt.
Pflanzkartoffeln: Mittelgroße Kartoffeln, die man für die Pflanzung im nächsten Jahr aufhob.
Ein Foto der Chronik zeigt einen Strohschneider: ein Gerät zum Zerkleinern von Stroh. Die Aufnahme gehört zu einer Bildfolge aus dem landwirtschaftlichen Alltag. Neben Feldarbeiten und Erntepausen werden dort auch die Arbeitsgeräte festgehalten.
Eine Flachsriffel diente dazu, die Samenkapseln vom geernteten Flachs zu entfernen. Die Chronik beschreibt diesen Arbeitsschritt ausdrücklich als Vorbereitung auf die Rotte. Die Abbildung macht damit einen einzelnen Vorgang der früheren Flachsverarbeitung sichtbar und ergänzt die Erinnerung an Flachsanbau und Leinenverarbeitung.
Im Hintergrund des Fotos mit dem Strohschneider benennt die Chronik eine Dezimalwaage und eine Fruchtschaufel aus Holz. Die beiden Gegenstände zeigen neben Schneiden und Transportieren eine weitere Seite landwirtschaftlicher Arbeit: Material musste aufgenommen und gewogen werden.
Die einzelnen Einträge aus dem Zeitstrahl mit ihren Quellen.
1938
Seit 1938 wurde Nienhäger Milch an Molkereien geliefert. Die neue Milchgeschichte erklärt Sammelstellen, Kannen und die späteren Abholwege.
1939
In einem umgebauten Ausspannstall entstand eine örtliche Annahmestelle. Der Milchkeller wurde auch zu einem Treffpunkt für Neuigkeiten.
1949
Nach der Schließung wurden die Kannen an Milchböcken im Dorf bereitgestellt.
1966
Ab 1966 wurde Nienhäger Milch zur Sammelstelle im Nachbarort Escherode gebracht.
31. März 1978
Danach wurde die Milch zunächst nach Kassel gefahren. Die Chronik beschreibt anschließend die Abholung mit Tankfahrzeugen.