Aus der Dorfgeschichte

Wald, Feldmark und Erholung

Der Kaufunger Wald war Lebensgrundlage, Arbeitsraum und später auch ein Ort der Erholung und des Lernens. Die Feldmark bewahrt Spuren früherer Nutzung.

Inhaltsverzeichnis

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Mehr als Bau- und Brennholz

Der Kaufunger Wald lieferte Material für Häuser, Handwerk und Landwirtschaft. Ein Forstregister von 1759/60 nennt für Nienhagen Rechte zur Rinderweide, Schafhude und Schweinemast. Der Wald war damit auch Teil der Versorgung mit Nahrung.

Heinrich Haldorn erinnerte sich daran, wie Frauen und Kinder Waldbeeren sammelten und die Frauen sie in Rückentragekörben zu Fuß nach Kassel brachten. Diese persönliche Kindheitserinnerung erzählt von der Arbeit und den Wegen der Menschen; sie ist keine statistische Erhebung.

Nienhagens Verbindung zum Hühnerfeld

Der Wald war auch ein Weideraum. Marcus Schmidt nennt in seiner Untersuchung des Hühnerfeldes Triftwege mehrerer umliegender Orte, darunter Nienhagen. Solche Wege dienten dem Viehtrieb. Der Aufsatz erschließt einen regionalen Zusammenhang der örtlichen Waldgeschichte. Welche einzelnen Weideflächen Nienhagen nutzte, lässt sich daraus nicht vollständig bestimmen.

Eicheln und Bucheckern als Waldnutzung

Für den historischen Hühnerfeldbereich beschreibt Marcus Schmidt einen sogenannten Mastwald: Eichen und Buchen sollten Früchte liefern, die dem Vieh als Nahrung dienten. Noch in der Forstbeschreibung von 1739 standen Weide und Mast im Vordergrund. Der regionale Befund erklärt, warum die Nutzung des Waldes weit über Brenn- und Bauholz hinausging; er belegt keine bestimmte Nienhäger Herde.

Der Kamp: junge Bäume für den Wald

Den Pflanzgarten der Nienhäger Forstgenossenschaft nennt Haldorn „Kamp“. Sein Großvater erklärte ihm dort die Pflanzen. Noch Anfang der 1930er-Jahre kamen Forstpflanzen aus dem Kamp, danach kaufte man sie zu.

Für den Hühnerfeldbereich beschreibt Marcus Schmidt ältere Pflanzgärten als Schutz vor Weidetieren. Diese regionale Waldgeschichte erklärt die Aufgabe solcher Anlagen; sie datiert den Nienhäger Kamp nicht.

Waldnamen aus Haldorns Erinnerung

Haldorn nennt die Waldnamen Schlagsäule, Fliegenstall, Köderwelz, Kutze Grube und Lattengehege. „Rocholls Koppel“ heißt bei ihm auch „Göttens Tannen“. Die genaue Zuordnung zu heutigen Grundstücken bleibt ohne geprüfte Flurnamenkarte offen.

Försterhaus, Waldrechte und Genossenschaft

1746 wurde laut Kurzchronik das Nienhäger Försterhaus im Sporck zwischen Nienhagen und Sichelnstein gebaut. Im 19. Jahrhundert stritten die Dörfer mit der Forstverwaltung über die stärkere Fichtenaufforstung. Die Kurzchronik nennt einen ersten Vergleich 1801 und einen zweiten Waldrezess 1849.

1871 wurden alte Weideberechtigungen abgelöst und Forstgenossenschaften gebildet. Die Nienhäger Forstgenossenschaft erhielt dabei einen eigenen Wald. Ein Teil wurde ab 1882 gerodet und später als zusätzliche Ackerfläche verteilt. Für 1975 beschreibt das Buch außerdem eine Schutzhütte und ein Wanderwegenetz; deren damaliger Verlauf ist kein heutiger Tourenvorschlag.

Gemeindewald: Heinrich Haldorn erzählt

Im Juli 1979 schrieb der 83-jährige Heinrich Haldorn auf, was ihn mit dem Nienhäger Wald verband. Seine Erinnerungen reichten nach eigener Aussage bis 1902 zurück. Von 1951 bis 1974 war er Vorsitzender der Forstgenossenschaft; anschließend wurde sein Sohn Erich gewählt. Der Bericht erzählt vom Wald als Arbeitsort, gemeinschaftlichem Besitz und einem Platz zum Wandern. Haldorn erinnert auch an die gemeinsame Hundertjahrfeier der Forstgenossenschaften 1971 auf dem Sportplatz in Sichelnstein.

Unter der Überschrift „Gemeindewald Nienhagen“ beschreibt Haldorn den Besitz von 42 Reihehausbesitzern und sechs später hinzugekommenen Anbauern. Gemeint ist die historische Eigentümergemeinschaft der Forstgenossenschaft, keine heutige kommunale Eigentumsangabe. Haldorn verbindet die Waldverteilung mit 1801 und die Wege- und Grenzregelung mit 1871–1872. Die Chronik unterscheidet dagegen den Vergleich von 1801, den Waldrezess von 1849 und die Genossenschaftsbildung 1871. Die verschiedenen Vorgänge und Datierungen werden deshalb nicht zu einem einzigen Gründungsdatum zusammengezogen.

Holz für Töpferöfen, Felder und das Stromnetz

Brennholz war nach Haldorns Darstellung zunächst die wichtigste Nutzung des Genossenschaftswaldes. Auch Bauholz für Reparaturen, neue Gebäudeteile und den Wiederaufbau nach Hausbränden kam von dort. Solange die Nienhäger Töpfereien arbeiteten, versorgte der Wald außerdem ihre Brennöfen.

Haldorn beschreibt, wie Reihehausbesitzer einen Teil des Waldes in zusätzliche Ackerflächen verwandelten. Einwohner übernahmen den Holzeinschlag; Brennholz wurde verteilt und weiterer Vorrat an Töpfereien verkauft. Junge Eichenbestände gingen nach seinem Bericht an die Lederfabrik Wentzler in Hann. Münden. Er datiert diesen Vorgang auf 1888–1889, während die Chronik den Beginn der Rodungen ab 1882 nennt. Ob hier unterschiedliche Schritte beschrieben werden, bleibt offen.

Eine weitere Erinnerung verbindet den Wald mit dem Stromanschluss von 1920: Fichten aus Abteilung 3 wurden an einen Mündener Holzhändler verkauft. Die Forstgenossenschaft stellte den Erlös für das Transformatorenhaus und das elektrische Ortsnetz zur Verfügung. Haldorn schildert dies als Entlastung für die Dorfbewohner. Der bestehende Chronikabschnitt nennt zusätzlich die Bereitstellung der Leitungsmasten.

Vom Laubwald zum Mischwald

In seinem Rückblick beschreibt Haldorn Buchen, Eichen und einzelne Hainbuchen als ältere Baumarten des Nienhäger Waldes. Die verstärkte Pflanzung von Fichten setzt er um 1880 oder etwas früher an. Für den Stand von 1979 bezeichnet er die Fichte als wirtschaftlich besonders wichtig. Seine damalige Erwartung an ihre Zukunft ist eine historische Einschätzung.

Laubholz vermehrte sich nach seinem Bericht häufig durch natürliche Aussaat; Lärchenbestände entstanden durch Neupflanzungen. Für den steinigen Boden hielt er die Lärche für geeignet. Ihm waren keine überlieferten Köhlermeiler im Nienhäger Wald bekannt, während er für Landwehrhagen einen Gegensatz nennt. Auch diese Aussage beschreibt den Kenntnisstand des Verfassers, keinen vollständigen archäologischen Nachweis.

Göttens Tannen und eine neue Satzung

1954 kaufte die Forstgenossenschaft laut Haldorn eine sechs Hektar große Fläche von der Firma Passmann aus Duisburg. Sie hatte früher dem Landwirt Karl Götte gehört und hieß deshalb „Göttens Tannen“. Die Fläche wurde mit Fichten aufgeforstet. Haldorn beschreibt außerdem ehemalige Hude-, Weide-, Steinbruch- und Streuflächen aus der Verkopplung von 1891–1894, die später mit der Forstgenossenschaft vereinigt und neu bepflanzt wurden.

Bis 1956 bestand der Wald nach seinem Bericht aus acht Abteilungen; später waren es zehn. Wege und Grenzlinien trennten die Abteilungen. Die neue Gliederung entstand im Einvernehmen mit dem Forstamt. Die örtlichen Namen bewahrten dabei Erinnerungen an frühere Besitzer und Nutzungen.

Haldorn berichtet auch von einem Schritt zur verbindlicheren Verwaltung: 1956 arbeitete er nach Rücksprache mit Heinz Quentin aus Landwehrhagen eine Satzung nach den damaligen Richtlinien des Realverbandsgesetzes aus. In den ersten Jahrzehnten nach der Waldverteilung hatte der jeweilige Gemeindevorsteher, der selbst Reihehausbesitzer sein musste, den Vorsitz geführt. Ein geschriebenes Statut hatte es nach Haldorns Darstellung zunächst nicht gegeben.

Waldarbeit und Wege im Rückblick

Bis 1958 übernahmen nach Haldorns Bericht Einwohner aus Nienhagen den Holzeinschlag; danach kamen auswärtige Holzhauer. Örtliche Frauen erledigten Pflanzarbeiten und das damals beschriebene Abbrennen der Kulturflächen. Ein auswärtiger Forstmann stellte etwa alle zehn Jahre einen Wirtschaftsplan auf. Stürme und Schneebruch konnten die vorgesehenen Einschlagsmengen verändern. Haldorn schildert außerdem Schäden durch Rotwild an jungen Beständen und den Schutz durch Drahtzäune.

Zum Wald gehörten für ihn auch die Wege der Erholungssuchenden. Mit Unterstützung des Naturparks Münden entstanden nach seinem Bericht eine Schutzhütte, Rundwanderwege, Ruhebänke und Wegzeichen. Material aus der eigenen Sandgrube in Abteilung 6 verbesserte die Holzabfuhrwege. Diese Beschreibung hält den Stand von 1979 fest; sie benennt keine heute geprüfte Wanderroute. Haldorn schloss mit dem Wunsch, dass Eigentümer und Besucher den Wald auch für kommende Generationen erhalten.

Viele kleine Felder und die Flachsrotte

Die Feldmark bestand früher aus vielen kleinen Parzellen. Die Verkopplung am Ende des 19. Jahrhunderts ordnete sie neu und erschloss die Grundstücke durch Feldwege. Am 11. Oktober 1890 wurde der Teilungsplan förmlich eröffnet. Häuser, Hausgärten und innere Dorfstraßen blieben außerhalb dieses Verfahrens.

Zur Feldmark gehörte auch eine Flachsrotte an der Ingelheim gegenüber der Mühle. Mitglieder des Kultur- und Heimatvereins richteten sie 1993 als Schaugebiet her. Die Kurzchronik nennt 1998 die Erklärung der Flachsrotten im Ingelheimtal zum Bodendenkmal. Diese Angaben beschreiben den historischen Erhaltungsprozess; einen heutigen Zugang oder unveränderten Denkmalstatus belegen sie nicht.

Das Naturfreundehaus

Die Kasseler Naturfreunde errichteten auf den Steinbergwiesen in Eigenarbeit ein Haus, das am 19. August 1923 eingeweiht wurde. 1931 kam ein Erweiterungsbau hinzu.

Unter nationalsozialistischer Herrschaft wurden der Verein verboten und das Haus enteignet. 1949 begannen die Kasseler Naturfreunde mit der Erneuerung des verwahrlosten und teilweise zerstörten Gebäudes. Zur Hausgeschichte gehören damit Aufbau, Verfolgung und Wiederaufbau.

Waldarbeit und Lernen

Am 30. Mai 1956 wurde das Jugendwaldheim Steinberg eröffnet. Es nutzte das frühere Direktorenhaus der Steinbergindustrie. Die im Buch beschriebenen Aufenthalte verbanden praktische Waldarbeit mit dem Lernen über ökologische Zusammenhänge. Das ist die historische Entstehungsgeschichte, keine Beschreibung eines aktuellen Aufenthaltsangebots.

Quelle und Wassertretanlage

An der sandsteinernen Quellfassung des Thieleborns ist die Jahreszahl 1767 eingemeißelt. Die Chronik deutet sie als Baujahr; die ebenfalls vorhandenen Buchstaben konnte sie nicht erklären.

Die spätere Wassertretanlage wurde laut Kurzchronik 1986 eingeweiht und vom Männergesangverein errichtet. Der Ort verbindet damit die ältere Bedeutung einer Quelle für die Versorgung mit dem gemeinsamen Einsatz für einen Platz der Erholung.

Warum die Steinbergwiese gepflegt wird

Zur Landschaft am Steinberg gehören offene Heideflächen und feuchte Wiesenbereiche. Die Biologische Schutzgemeinschaft beschreibt die Steinbergwiese als Lebensraum mit Heide- und Sumpfvegetation. Am Rand verläuft ein Quellbach des Ingelheimbachs.

Solche offenen Flächen bleiben nicht ohne Pflege bestehen. Die Schutzgemeinschaft nennt Mahd und das Entfernen aufkommender Gehölze als Maßnahmen, um den Charakter der Wiese zu erhalten. Landschaftsschutz bedeutet hier auch, dem allmählichen Zuwachsen entgegenzuwirken.

Bachniederungen und artenreiche Wiesen

Die NLWKN-Beschreibung der „Bachtäler im Kaufunger Wald“ nennt unter anderem den Ingelheimbach. Extensive Grünlandnutzung prägte artenreiche Wiesen und feuchte Lebensräume. Nach Nutzungsaufgaben seit den 1960er-Jahren wurde diese Bewirtschaftung in den Bachtälern seit den 1980er-Jahren wieder aufgenommen.

Die veröffentlichte Detailkarte 02 von 2018 zeigt Schutzflächen westlich und südlich des Nienhäger Siedlungskerns. Für die Lage einzelner Flächen ist die Karte maßgeblich; das Dorf wird darin nicht insgesamt als Naturschutzgebiet dargestellt.

Daten und Ereignisse

Die einzelnen Einträge aus dem Zeitstrahl mit ihren Quellen.

1746

Försterhaus im Sporck

Zwischen Nienhagen und Sichelnstein wird das Nienhäger Försterhaus im Sporck erbaut.

1801

Vergleich über die Aufforstung

Die Dörfer des Oberamts streiten über die zunehmende Aufforstung mit Fichten. Nach einem langen Verfahren kommt es 1801 zu einem ersten Vergleich mit der Forstverwaltung.

1849

Zweiter Waldrezess

Die Dörfer im Obergericht unterzeichnen den zweiten Waldrezess. Damit wird eine weitere Vereinbarung über die Waldverhältnisse festgehalten.

1890

Neuordnung der Feldmark

Der Verkopplungsplan wurde förmlich eröffnet. Die kleinen Parzellen wurden neu geordnet und durch Feldwege erschlossen.

1986

Wassertretanlage am Thieleborn

Die Kurzchronik nennt 1986 als Einweihungsjahr und den Männergesangverein als Errichter.

1998

Flachsrotten werden Bodendenkmal

Der Landkreis Göttingen erklärt die Flachsrotten im Ingelheimtal zum Bodendenkmal. Die Kurzchronik nennt dafür das Jahr 1998.