1941–1945
Zwangsarbeit in Nienhagen
Die Chronik dokumentiert insgesamt 21 Registrierungen polnischer, russischer und französischer Zwangsarbeiter, darunter ein Kind. Eine gleichzeitige Zahl lässt sich daraus nicht ableiten.
Die Chronik beschreibt örtliche Kriegslasten, Zwangsarbeit, Schäden und das Leben nach 1945. Erinnerungsberichte und gesicherte Registerangaben sind dabei zu unterscheiden.
Für 1626 berichtet die Kurzchronik, dass sich Nienhäger Einwohner während der Belagerung und Eroberung Mündens durch Tillys Heer hinter die Mauern Kassels begaben. Der Dreißigjährige Krieg endete 1648 mit dem Westfälischen Frieden. Die Vermutung des Buches, die abgelegene Lage habe das Dorf vergleichsweise geschont, ist keine nachgewiesene örtliche Schadensbilanz.
Während des Siebenjährigen Kriegs von 1756 bis 1763 belasteten finanzielle und materielle Forderungen französischer Besatzungstruppen das Dorf. Für 1813 nennt die Kurzchronik die Besetzung durch russische Kosaken. Diese örtlichen Überlieferungen sind von den allgemeinen Kriegsdaten zu unterscheiden.
Die Kurzchronik berichtet für den Ersten Weltkrieg von vielen Opfern unter den Männern des Dorfes, nennt dort aber keine belastbare Gesamtzahl. 1920 beschloss der Gemeinderat ein Ehrenmal.
1921 wurde ein schwerer Findling aus dem Landwehrhäger Genossenschaftsforst auf einem Holzschlitten mit zwölf Pferden ins Dorf gebracht und aufgestellt. 1962 kam eine Tafel für die Opfer des Zweiten Weltkriegs hinzu. Das Buch überliefert damit auch die Arbeit am örtlichen Gedenken.
Die Betriebskrise am Steinberg zu Beginn der 1930er Jahre traf auch das Dorf. Die Kurzchronik nennt 1932 den Freiwilligen Arbeitsdienst und verbindet ihn mit einer wirtschaftlichen Verbesserung. Das ist ihre Bewertung; eine unabhängige Messung dieser Wirkung liefert die Zeile nicht.
Unter nationalsozialistischer Herrschaft wurden auch örtliche Zusammenschlüsse getroffen. Das Naturfreundehaus wurde enteignet, der Arbeiterturnverein musste seinen Namen ändern und verlor Geräte und Instrumente. Der später verfasste Rückblick im Buch enthält persönliche Erinnerungen und zeitgenössische Dokumente; seine Bewertungen sind deshalb nicht mit jedem nachprüfbaren Ortsereignis gleichzusetzen.
Erich Haldorn berichtet, dass junge Arbeitslose im Freiwilligen Arbeitsdienst 1932–1933 eine Straße im Nienhäger Genossenschaftswald ausbauten. Daraus erklärt er den Namen „Arbeitsdienststraße“. Der Weg erinnert damit an eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme in der Zeit der hohen Arbeitslosigkeit.
Haldorn erinnert sich, dass ungefähr ab 1935 ein Gebet zu Schulbeginn durch nationalsozialistische Wochensprüche ersetzt wurde. Er berichtet außerdem von antisemitischer Beeinflussung im Unterricht. Die Erfahrungen stammen aus einem späteren Rückblick; der Zeitpunkt bleibt ungefähr.
Ein in der Chronik zusammengefasster Auszug der Anmeldeliste dokumentiert für 1941 bis 1945 insgesamt 21 Registrierungen polnischer, russischer und französischer Zwangsarbeiter, darunter ein Kind.
Diese über mehrere Jahre erfassten Registrierungen ergeben keine gleichzeitige Belegung des Dorfes. Die Zahl bezeichnet die ausgewertete Überlieferung.
Die Chronik erinnert an gemeinschaftlich angelegte Schutzräume im Dorf und einen Schutzraum im Schulgarten. Erfahrungen früherer Bergleute halfen beim Bau. Für 1941/42 beschreibt sie außerdem eine Scheinwerferstellung am Kahlkamp im Zusammenhang mit der Kasseler Luftverteidigung.
In der Nacht vom 5. auf den 6. April 1945 wurde Nienhagen beschossen. Kirche und Häuser wurden beschädigt; anschließend rückten amerikanische Soldaten ein. Die Daten bezeichnen das örtliche Kriegsende, nicht das Ende des gesamten Zweiten Weltkriegs. Einzelne militärische Absichten oder genaue Verlustzahlen lassen sich aus diesem Bericht nicht sicher ergänzen.
Für 1949 nennt die Chronik 375 Einwohner. 150 wurden in der damaligen Statistik unter „Evakuierte“ zusammengefasst. Das Buch erläutert, dass die Bezeichnung hier verschiedene hinzugekommene Gruppen umfasste. Sie ist daher nicht als präzise Herkunfts- oder Fluchtkategorie für alle 150 Menschen zu lesen.
Ein Beispiel des Wiederaufbaus zeigt ein Haus aus wiederverwendeten Trümmerschutt-Steinen. Alter Mörtel wurde entfernt und die Steine erneut vermauert. Die Darstellung macht eine konkrete Nachkriegserfahrung anschaulich, ohne sie auf sämtliche Häuser zu übertragen.
1968–69 wurde nach der Kurzchronik eine Friedhofskapelle mit Hand- und Spanndiensten errichtet. Sie gehört zur Geschichte der gemeinschaftlich geschaffenen Einrichtungen des Dorfes und ist vom älteren Ehrenmal auf dem Kirchhof zu unterscheiden.
Die einzelnen Einträge aus dem Zeitstrahl mit ihren Quellen.
1941–1945
Die Chronik dokumentiert insgesamt 21 Registrierungen polnischer, russischer und französischer Zwangsarbeiter, darunter ein Kind. Eine gleichzeitige Zahl lässt sich daraus nicht ableiten.
5. und 6. April 1945
Die Chronik beschreibt nächtlichen Beschuss, Schäden an Gebäuden und den anschließenden Einzug amerikanischer Soldaten.
1949
Die Chronik nennt 375 Einwohner. 150 wurden in der damaligen Statistik unter der Sammelbezeichnung „Evakuierte“ zusammengefasst.