Aus der Dorfgeschichte

Vereine und gemeinsame Kultur

Musik, Feuerwehr, Sport, Bücherei und Museum entstanden aus örtlichem Engagement. Ihre historischen Anfänge zeigen unterschiedliche Wege gemeinschaftlicher Arbeit.

Inhaltsverzeichnis

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Singen und Bläsermusik

Der Männergesangverein wurde am 16. März 1882 gegründet und probte zunächst in der alten Schule. Nach den Unterbrechungen der Kriegs- und Nachkriegszeit begann 1950 ein neuer Abschnitt mit regelmäßigen Proben.

1907 kam der Posaunenchor hinzu. Seine neun bestellten Instrumente wurden über Kassel-Bettenhausen mit einem Pferdefuhrwerk ins Dorf gebracht. Nach dem Krieg ermöglichten aufbewahrte Hörner und gemeinsame Reparaturfinanzierung den Neubeginn. Der am 22. April 1992 gegründete Bläserkreis ist ein eigener musikalischer Zusammenschluss.

Sängerball, Theater und Weihnachtsfeiern

Heinrich Haldorns 1979 niedergeschriebener Vereinsrückblick zeigt, wie viel ein Gesangverein zum Dorfalltag beitragen konnte. Als ersten Vorsitzenden nennt er Karl Schäfer, als ersten Dirigenten den Lehrer Albert Utermöhlen; zeitweise leitete auch Heinrich Pipphardt den Chor. Nach zwei Jahren habe der Verein 30 Mitglieder gehabt.

In den Wintermonaten veranstalteten die Sänger alljährlich einen Ball, zu dem auch Theaterstücke gehörten. Für ein Dorf mit wenigen Unterhaltungsangeboten war dieser Abend nach Haldorns Erinnerung besonders begehrt. Der Chor sang bei Weihnachtsfeiern, in der Christmette und bei Familienfesten; mit den Schulkindern gestaltete er gemeinsame Feiern. Das Vereinsleben reichte damit über das gemeinsame Proben hinaus.

Das Sängerfest am 2. und 3. Juni 1907

Als der Männergesangverein sein 25-jähriges Bestehen feierte, war Heinrich Haldorn nach eigener Angabe elf Jahre alt. Er erinnerte sich an ein Festzelt im Grashof der Gastwirtschaft Sauer, geschmückte Häuser und Girlanden über den Straßen. Die Kapelle Philipp aus Witzenhausen kam mit zwölf Bläsern. Alle 16 eingeladenen Gesangvereine erschienen und wurden am Dorfeingang mit Musik abgeholt.

Die Gäste kamen aus Escherode, Nieste, Uschlag, Heiligenrode, Landwehrhagen, Speele, Lutterberg, Benterode, Bonafort, Hedemünden, Oberode und Ziegenhagen; mehrere Orte waren mit mehr als einem Verein vertreten. Frauen und Mädchen hatten für eine Fahnenschleife gesammelt und sie bei Tribian in Hann. Münden anfertigen lassen. Lisette Schönebach überreichte sie mit einem Prolog. Bei Sonnenschein folgten die Liedvorträge und der Festzug, an dem auch die Schulkinder teilnahmen.

Für die Kinder blieb besonders erfreulich, dass sie am folgenden Montag schulfrei hatten. Die Sänger trafen sich mit ihren Frauen zum gemeinsamen Frühstück in der Gastwirtschaft. Haldorn erinnert außerdem an Tanz und einen Zuckerwarenhändler für die Kinder. Sein Bericht macht das Fest aus der Sicht eines damaligen Kindes anschaulich.

Einige Wochen später zeigte die Abrechnung, dass die Einnahmen nicht für die Ausgaben reichten. Nachgeforderte Beiträge führten nach Haldorns Erinnerung zu Streit und Austritten. Der Verein bestand trotzdem weiter. Seine beiden Berichte nennen unterschiedliche Tageszahlen für den Festmontag und unterschiedliche Angaben zur Vereinsgründung; diese Abweichungen sind im Quellenhinweis erläutert.

Amateurtheater für den Posaunenchor

Nach Haldorns Rückblick unterstützte Christian Gollong das Nienhäger Amateurtheater. Die Aufführungen sollten Geld für die Reparatur der Instrumente des Posaunenchors einbringen. Bühnenarbeit und örtliches Musizieren waren auf diese Weise verbunden. Der Bericht nennt hierfür kein genaues Aufführungsjahr.

Ein Chorfoto aus dem Jahr 1952

Laut Kraft fotografierte Christian 1952 das Jubiläum des Nienhäger Männerchors. Ein Albumvermerk überliefert diese Aufnahme. Das Sängerfest fand 1957 statt.

Ein Sängerfest für das ganze Dorf

Am 16. Juni 1957 feierte der Nienhäger Männergesangverein sein 75-jähriges Bestehen. Erich Haldorn erinnert sich an 31 aktive Sänger und zwölf eingeladene Vereine. Girlanden und Fähnchen schmückten das Dorf. Zum Fest gehörten ein Umzug und ein Tanzabend im Gasthaus Schulte. Sein Bericht macht sichtbar, wie ein Vereinsjubiläum das Dorf zusammenbrachte.

Chorbegegnungen über Orts- und Landesgrenzen

Im Frühjahr 1990 veranstaltete der Männergesangverein ein internationales Männerchorkonzert. Mit dabei waren Inter Nos aus Groenlo in den Niederlanden und der Chor aus Arenshausen. Im Oktober 1991 fuhren die Nienhäger Sänger zum Gegenbesuch nach Groenlo und nahmen dort an einem Konzert teil.

1990 ging vom Verein außerdem die Veranstaltung „Singen und Musizieren am Sichelnstein“ aus. Sie sollte die Staufenberger Chöre zusammenbringen und ihre Musik einem gemeinsamen Publikum vorstellen. Diese Beispiele erzählen von den damaligen Begegnungen; eine unveränderte Fortführung bis heute wird daraus nicht abgeleitet.

Erste Auftritte der Nachwuchsmusiker 1998

Das Kapitel zum Bläserkreis erzählt für 1998 von einem Flötenkurs für Kinder und der Ausbildung junger Bläser. Beim Dorffest am 13. September 1998 hatten die Jungbläserinnen und Jungbläser ihren ersten Auftritt.

Die Flötengruppe folgte am 13. Dezember 1998 bei einer Seniorenfeier im Dorfgemeinschaftshaus. Beide Auftritte zeigen, wie neu erlernte Musik im Dorfleben einen Platz fand. Die in der Chronik genannten damaligen Übungsorte und Kurszeiten sind keine aktuellen Unterrichtsangebote.

Feuerschutz und Jugendfeuerwehr

1902 beschlossen die Einwohner eine Pflichtfeuerwehr sowie die Anschaffung einer Spritze und eines Spritzenhauses. Älterer kommunaler Feuerschutz hatte bereits bestanden. Die freiwillige Wehr entwickelte sich später weiter; die Chronik beschreibt eine erneute Organisation 1969.

1971 erhielt die Feuerwehr laut Kurzchronik ein Feuerwehrauto. Im selben Jahr wurde am 2. Februar die Jugendfeuerwehr gegründet. Fahrzeugerwerb und Nachwuchsorganisation sind zwei getrennte Ereignisse. Aus der früheren Schulscheune entstand anschließend ein Gerätehaus, das am 24. Juli 1977 übergeben wurde.

Vom Turnen zum Tischtennis

1920 entstand der Arbeiter-Turn- und Sportverein. Zunächst standen Barren, Reck, Matten und Turnfeste im Mittelpunkt. Nach dem Erliegen des Vereinslebens im Krieg folgte 1948 ein Neubeginn. 1954 brachte Willi Kater Tischtennis ins Dorf; 1955 nahm eine Mannschaft erstmals an einer offiziellen Spielserie teil.

Die Kurzchronik nennt 1972 die Einweihung des Sportplatzes an der Bergstraße. Im Vereinskapitel folgen 1973 die Fußballsparte und eine Gymnastiksparte. Ein neuer Sportplatz an der Ingelheim wurde 1987 mit viel Eigenleistung eingerichtet. Diese Daten erzählen von damaligen Sparten und Sportorten, ohne ein heutiges Vereinsangebot vorauszusetzen.

Fußball über die Ortsgrenzen hinweg

Die Landwehrhäger Festschrift von 2006 berichtet, dass der TSV Nienhagen zeitweise zur Sportgemeinschaft Staufenberg gehörte. Nach der Saison 2004/05 schied er wieder aus. Das war ein Ende dieser Zusammenarbeit, keine Auflösung des TSV.

Beim Beitrittsjahr unterscheiden sich die Angaben: Die Festschrift nennt 2003, die heutige Landwehrhäger Vereinschronik ordnet den Beitritt 2002 zu. Deshalb bleibt dieser Zeitpunkt offen.

Ein Baseballteam aus der Dorfjugend

1992 begannen Nienhäger Jugendliche, Baseball zu spielen. Aus ersten Versuchen im Garten entstand eine Gruppe, die 1993 als Sparte dem TSV angegliedert wurde. Unter dem Namen Nienhagen Farmers nahm sie ab 1994 am Ligabetrieb teil.

Lange Fahrten und hohe finanzielle Aufwendungen führten laut Chronik 1997 zur Einstellung des Spielbetriebs. Die kurze Geschichte zeigt, wie aus einer Jugendidee ein gemeinsames Sportprojekt werden konnte und welche praktischen Grenzen es erreichte. Sie beschreibt ein damaliges Team, kein heutiges Vereinsangebot.

Wissen und Können weitergeben

Anfang der 1950er Jahre gab Erika Gollong Mädchen im Dorf Ballett- und Gymnastikunterricht im Gasthaussaal. Die Erinnerungen ehemaliger Teilnehmerinnen berichten von Stuhllehnen als Ballettstangen und einer Weihnachtsaufführung 1951.

1967 traten die ersten Nienhägerinnen dem Landfrauenverein Obergericht bei; nach weiteren Beitritten entstand im Folgejahr eine eigene Ortsgruppe. Beides sind Beispiele dafür, wie kulturelles und praktisches Wissen gemeinschaftlich weitergegeben wurde.

Dorfgeschichte erhalten

Am 19. November 1992 gründeten 18 Personen den Kultur- und Heimatverein. Brauchtum, Nienhäger Platt, bauliche Einrichtungen und Denkmäler gehörten zu seinen Anliegen. Das Töpferdenkmal von 1994 war ein sichtbares Ergebnis dieser Arbeit.

Christian und Erika Gollong hatten 1941 ein Haus in Nienhagen gekauft. Das frühere Künstlerhaus wurde Mitte der 1990er Jahre zum Dorfmuseum. Die Kurzchronik nennt 1995, das Museumskapitel 1996 als Eröffnungsjahr. Für die Renovierungen von 1994 bis 1999 nennt das Buch mehr als 4800 freiwillige Arbeitsstunden. Die Zeitspanne reicht über die Eröffnung hinaus.

Lesen im früheren Schulgebäude

Am 3. Juli 1978 eröffnete die Ortsbücherei im Dorfgemeinschaftshaus neu. Sie knüpfte an eine kleine Schulbücherei an. Ehrenamtliche Arbeit, eigene Bücher, Leihgaben und Spenden unterstützten ihren Aufbau.

1994 wurde ein Teil des Dachraums ausgebaut und die Bücherei vergrößert. Nach einer zweimonatigen Schließung öffnete sie am 17. Dezember wieder. Diese Geschichte erklärt den Ausbau des örtlichen Leseangebots; Leitung und Öffnungszeiten der damaligen Ausgabe sind keine aktuellen Besuchsinformationen.

Daten und Ereignisse

Die einzelnen Einträge aus dem Zeitstrahl mit ihren Quellen.

16. März 1882

Gründung des Männergesangvereins

Die musikalische Vereinsgeschichte reicht bis in das 19. Jahrhundert zurück.

1907

Gründung des Posaunenchores

Neun bestellte Instrumente kamen über Kassel-Bettenhausen mit einem Pferdefuhrwerk nach Nienhagen.

1954

Tischtennis kommt ins Dorf

Willi Kater brachte Tischtennis in den TSV. Nach ersten Versuchen am Küchentisch nahm 1955 eine Mannschaft am Spielbetrieb teil.

16. Juni 1957

Ein Sängerfest für das ganze Dorf

Am 16. Juni 1957 feierte der Nienhäger Männergesangverein sein 75-jähriges Bestehen. Erich Haldorn erinnert sich an 31 aktive Sänger und zwölf eingeladene Vereine. Girlanden und Fähnchen schmückten das Dorf. Zum Fest gehörten ein Umzug und ein Tanzabend im Gasthaus Schulte. Sein Bericht macht sichtbar, wie ein Vereinsjubiläum das Dorf zusammenbrachte.

1968–1969

Friedhofskapelle wird gebaut

Die Friedhofskapelle entsteht in den Jahren 1968 und 1969. Einwohner beteiligen sich mit Hand- und Spanndiensten am Bau.

2. Februar 1971

Gründung der Jugendfeuerwehr

Die Jugendfeuerwehr wurde in einer Versammlung mit Jugendlichen ins Leben gerufen.

3. Juli 1978

Neueröffnung der Ortsbücherei

Die Bücherei eröffnete im Dorfgemeinschaftshaus neu und knüpfte an eine kleine Schulbücherei an.

Seit 1987

Maifeuer auf der Waldkoppel

Das Brauchtumskapitel beschreibt das vom Posaunenchor veranstaltete Maifeuer am letzten Apriltag auf dem Grillplatz der Waldkoppel.

1988

Patenschaft für den Grillplatz

Das Feuerwehrkapitel verzeichnet die Übernahme einer Patenschaft des Grillplatzes. Dies beschreibt die damalige Betreuung.

1989

Ausbau an der Suffeiche

Die Feuerstelle wurde gepflastert und eine Schutzwand in westlicher Richtung errichtet.

19. November 1992

Gründung des Kultur- und Heimatvereins

18 Personen gründeten den Verein zur Pflege von Brauchtum, Sprache und Denkmälern im Dorf.

22. April 1992

Gründung des Bläserkreises

Der Bläserkreis entstand als eigener musikalischer Zusammenschluss. Sein erster Auftritt folgte im Oktober.

Mitte der 1990er Jahre

Das Gollong-Haus wird Dorfmuseum

Das frühere Wohnhaus von Christian und Erika Gollong erhielt eine neue Aufgabe. Das genaue Eröffnungsjahr wird in der Chronik unterschiedlich angegeben.

2001

Das Buch zum 650. Jubiläum

Adolf Kraft und Erich Haldorn stellten „Nienhagen 1351–2001. Ein Dorf erzählt aus seinem Leben“ zusammen. Herausgeber war der Kultur- und Heimatverein.

Nach der Saison 2004/05

Fußball über die Ortsgrenzen hinweg

Die Landwehrhäger Festschrift von 2006 berichtet, dass der TSV Nienhagen zeitweise zur Sportgemeinschaft Staufenberg gehörte. Nach der Saison 2004/05 schied er wieder aus. Das war ein Ende dieser Zusammenarbeit, keine Auflösung des TSV. Beim Beitrittsjahr unterscheiden sich die Angaben: Die Festschrift nennt 2003, die heutige Landwehrhäger Vereinschronik ordnet den Beitritt 2002 zu. Deshalb bleibt dieser Zeitpunkt offen.